Tote Mädchen lügen nicht

Sender: Netflix | Jahr: 2017 | Staffeln: 1 | Episoden: 13 | FSK: 12 | Genre: Drama | Land: USA

Story

Clay Jensen ist ein schüchterner Schüler an einer High School in Kalifornien und verbringt die meiste Zeit des Tages mit Dingen, die kaum der Rede wert sind. Clay ist ein Junge, der im Klassenzimmer niemandem auffällt - nicht einmal den Lehrern. Als er eines Tages allerdings nach Hause kommt, findet er eine Schachtel mit 13 Kassetten, die offenbar von seinem Schwarm Hannah Baker stammen, die kurz zuvor Suizid begangen hat. Obwohl Clay zuerst misstrauisch ist, gewinnt schließlich seine Neugier und er hört sich die Kassetten an, auf denen Hannahs Stimme erzählt, warum sie sich das Leben genommen hat. Nun sollen diese 13 Kassetten an all die Personen geschickt werden, die mit ihrem Handeln Hannas verheerende Entscheidung beeinflusst haben. Am Ende des Tages hat Clay mehr düstere Geheimnisse über die Menschen um ihn herum herausgefunden, als in seinem gesamten Leben zuvor.



Kritik

Ausgerechnet Popstar Selena Gomez sorgt mit der Coming-of-Age-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" für das nächste große Serien-Highlight auf Netflix. Gomez' war von der gleichnamigen Romanvorlage von Jay Asher so beeindruckt, dass sie die Verfilmung eigens vorantrieb und als ausführende Produzentin fungierte. Passend zum englischen Serien-Titel "13 Reasons Why" (der deutsche Titel ist wieder einmal völlig daneben) erzählt die Netflix-Serie die Geschichte der Schülerin Hannah Baker (Katherine Langford). Ausgelöst durch eine Kette erniedrigender Ereignisse nahm sie sich das Leben, doch vor ihrem Tod nahm sie ihre Geschichte auf 13 Kassetten auf. Jede Kassette gehört einem Menschen den sie für ihren Tod verantwortlich macht. Folglich setzt sich das Puzzle um Hannahs Tod mit jeder Episode mehr zusammen. Sind es zu Beginn der Serie scheinbar noch Kleinigkeiten die ihre Mitschüler ihr angetan haben, entwickeln sich diese Details zum Schmetterlings-Effekt und Hannahs Geschichte wird immer aussichtsloser. "13 Reasons Why" beschönigt dabei nichts und nimmt sich Themen wie Suizid, Mobbing, sexueller Belästigung, Vergewaltigung und mehr, äußerst feinfühlig vor. Die Thematiken nehmen den Zuschauer geradezu gefangen und "13 Reasons Why" entwickelt einen depressiven Strudel, dem man sich auch als Zuschauer nicht entziehen kann. 

Besonders hervorzuheben ist die Inszenierung, die unter anderem Oscarpreisträger Tom McCarthy (Bestes Drehbuch und Bester Film für "Spotlight") übernimmt. Die Serie wechselt ständig zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart umher und das äußerst geschickt. Die Grenzen zwischen dem aktuellen Geschehen, in dem Hannahs Mitmenschen mit ihrem Selbstmord und ihrer eigenen Schuld leben müssen, und der von Hannah erzählten Vergangenheit, verschwimmen sehr miteinander. Dank einer Kopfwunde des Protagonisten Clay Jensen (Dylan Minnette) erkennt man aber stets wann sich die Geschichte in der Vergangenheit und wann in der Gegenwart befinden. Sehr schnell baut "13 Reasons Why" dabei ein verwirrendes Geflecht aus Handlungen und Charakteren auf, das viele Fragen aufwirft. Nach und nach werden die Fragen beantwortet und das Puzzle um Hannahs Tod setzt sich mehr als gelungen zusammen, da sich die Serie wunderbar in die Gedanken der Jugendlichen hineinversetzt. Dazu überzeugt der starke Soundtrack, der immer wieder gekonnt die Emotionen einer Szene verstärkt.

Wenn man "13 Reasons Why" etwas vorwerfen kann, dann ist es das teilweise langsame Tempo. Zwischendurch merkt man, dass ein 280 Seiten langes Jugendbuch auf knapp 13 Stunden TV-Unterhaltung ausgedehnt wurde. Zudem ist das Ende sehr offen gestaltet. Die Buchvorlage gibt eigentlich keine 2. Staffel her, doch ich bin gespannt ob Netflix nicht doch etwas in der Art ankündigt. Falls die Serie damit jedoch zu Ende geht, bleiben schlichtweg zu viele Handlungsstränge offen.

Doch die Serie verleitet einen sehr zum berühmten Binge-Watching, da die Story hochinteressant ist und die Charaktere einem schnell ans Herz wachsen. Dafür sorgen viele charismatische Szenen in denen sich jeder irgendwo wiedererkennen dürfte. Tatsächlich passen sogar die recht stereotypen Charaktere gut zur Serie, da "13 Reasons Why" die Dynamik des Schulalltags greifbar macht. Die überraschend guten Darbietungen erledigen ihr übriges. Insbesondere die beiden Hauptdarsteller Dylan Minnette und Newcomerin Katherine Langford legen eine richtig starke Performance an den Tag.

Beste Episode: 11

 

Fazit

"13 Reasons Why" scheut sich nicht davor Themen wie Suizid, Mobbing, sexuelle Belästigung und Vergewaltigung anzusprechen und sie schonungslos umzusetzen. Eine starke Leistung aller Beteiligter um Selena Gomez und Tom McCarthy, die dafür sorgt, dass "13 Reasons Why" einen unwiderstehlichen Sog entwickelt. Trotz all der schlimmen Vorkommnisse kann man als Zuschauer nämlich nicht den Blick vom Bildschirm nehmen. Zwar ist "13 Reasons Why" nicht frei von Schwächen, was insbesondere für die etwas langgezogene Story und das zu offene Ende (welches Fragen um eine 2. Staffel aufwirft) gilt, doch was Netflix mit der Coming-of-Age-Serie abliefert ist nicht nur thematisch unglaublich wichtig, sondern auch noch sehr treffend umgesetzt. 

 

Wertung: 8/10


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Poster&Trailer: © Netflix

Story: Quelle: moviepilot.de

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Über mich

Ich heiße Jan, bin 23 Jahre alt und komme aus Baden-Württemberg. Ich bin ein großer Filmfan und leidenschaftlicher Kritiken-Schreiber. Da ich diese Leidenschaft gerne mit euch teilen würde, habe ich am 1. Oktober 2015 diese Filmseite ins Leben gerufen. Neben Kritiken zu aktuellen Filmen und Serien, findet sich auf dieser Seite auch das ein oder andere Special in Form von Listen, Blogs etc. wieder.

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